Von Antennen und Denkmalschutz

Urban Knitting über den Dächern von Bern

 

Der frische Wind weht mir um die Nase, ich atme tief ein und lasse den Blick über die Stadt streifen. Von hier oben hat man eine wunderbare Weitsicht über die Dächer von Bern. Ein idealer Ort, um einen ruhigen Moment zu geniessen und alt Bekanntes aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Wie schön, dass dieser Ort nun zugänglich ist, damit jeder der mag, diesen Moment erleben kann. Die Rede ist von der Dachterrasse des ATELIERTURMs. Die KünstlerInnen des Projekts wollen hier zu Glühwein, Fondue und Grillieren einladen. Auf diese Weise sollen regelmässig die Türen geöffnet werden damit auch nach dem Eröffnungsfest das Quartier und alle Interessenten am ATELIERTURM teilhaben können. So schaffen sie einen Rahmen, in dem man auf natürliche und alltägliche Weise mit Kunst in Berührung kommt.

Ein wenig getrübt wird diese Aussicht jedoch durch die Antennen der Swisscom, die sich auf dem Dach befinden. Besonders die drei grossen Maste irritieren und stören die Gesamterscheinung des denkmalgeschützten Turms.






Hinzu kommen die grossen, lauten Geräte in der fünften und letzten Etage des Gebäudes, welche das Telekommunikations-Unternehmen hier unterhält. Sie verunmöglichen die Nutzung der gesamten 5. Etage. Das leerstehende Gebäude wurde erst durch das Künstlerprojekt ATELIERTURM wiederbelebt. Hier ist insbesondere der Aussenzugang zu erwähnen, der erst durch eine vom ATELIERTURM initiierte Crowdfunding-Aktion ermöglicht wurde. Sichtlich viel Engagement wurde in dieses Projekt gesteckt. Und es hat sich gelohnt, denn der Turm lebt wie schon lange nicht mehr! Die Leute sind begeistert angesichts des kulturellen Geschehens in diesem speziellen Rahmen. Die Ära des leerstehenden Turms ist vorüber, die Antennen sind fehl am Platz und für jeden Besucher des Turms irritierend und unverständlich.

Umso fragwürdiger war der Plan der Swisscom die veralteten Antennen durch neue Geräte zu erweitern! Radio Bern 1 hat sich dem Thema angenommen und die beteiligten Parteien zur Stellungnahme aufgefordert. So konnte ein erster Erfolg erzielt werden: ImmobilienStadt Bern sieht von einer Vertragsverlängerung mit der Swisscom ab und es werden keine neuen Antennen auf dem ATELIERTURM installiert.

Das ist eine erfreuliche Nachricht, ändert jedoch nichts an der akuten unbefriedigenden Situation mit den bestehenden Antennen. Es gab bisher weder von der Swisscom noch von Immobilien Stadt Bern irgendwelche Bestrebungen eine vernünftige Mietertrennung zu gewährleisten, wie z.B. in Form einer schalldichten Trennwand. Auf diese Weise könnten die KünstlerInnen von den Lärmemissionen der Geräte verschont bleiben und zugleich wären die Antennenstecker der Swisscom vor einem unberechtigten Zugriff geschützt.

 

Stellt sich die Frage, ob sich ein solcher finanzieller Aufwand lohnt? Für die KünstlerInnen des ATELIERTURM ist klar: Die Antennen müssen weg. Damit dies auch der Vertragspartner Immobilien Stadt Bern erkennt, will der ATELIERTURM nun Flagge zeigen. Mit einer großen Urban Knitting Aktion soll auf die Problematik aufmerksam gemacht und das Quartier miteinbezogen werden.



Ab dem 25. November wird zehn Tage lang von 13-20 Uhr fleissig gestrickt. Ob erfahrene Strickmeister oder Neulinge, jeder ist willkommen das Team vom ATERLIERTURM zu unterstützen. In der warmen Stube liegt ein grosser Haufen kunterbunter Wolle bereit, der darauf wartet die Antennen auf dem Dach zu umhüllen. Dazu gibt es Lesungen, Musik, Gaumenfreuden und nicht zuletzt die Möglichkeit die KünstlerInnen des ATERLIERTURMs einmal in ganz entspannter Atmosphäre kennenzulernen.

 

Kommet also zahlreich und versuchet euch an eurer Handwerkskunst!

 

 

Wollige Grüsse aus dem ATELIERTURM,

 

Frau Holle

 

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